Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg e.V.

Inklusion? Inklusion! Vom Kopf auf die Füße!

Die Gemeinnützigen Werkstätten machen sich auf den Weg.


Noch vor ein paar Jahren war das Wort „Inklusion“ nur Fachleuten bekannt. Zurzeit ist der Begriff in aller Munde. Es wird viel über Inklusion diskutiert und beraten, auch die Medien berichten regelmäßig über das Thema. Dabei ist es aber nicht so, dass allen Menschen genau klar ist, was Inklusion denn nun wirklich bedeutet.

Moment mal! hat sich umgehört und gefragt: Was bedeutet Inklusion?


„Alles für alle“, „Vielfalt ermöglichen“, „dass alle Menschen Arbeit haben“, „Haltung“, „Akzeptanz“, „all inclusive“, „alle gehen in die gleiche Schule“, „sowas wie Integration, nur größer“.


Das sind nur einige der verschiedenen Antworten. Aber was heißt denn nun eigentlich Inklusion, und wie bringen sich die Gemeinnützigen Werkstätten auf dem Weg zur Inklusion ein?

Der BegriffInklusion lässt sich aus dem Lateinischen herleiten und bedeutet Einbeziehung. Einbeziehung meint: beachten, berücksichtigen, beteiligen, dazugehören. Im Gegensatz zur Integration, die etwas oder jemanden zuvor Ausgeschlossenen wieder einbeziehen will, geht es bei der Inklusion um das Dabeisein und das Beteiligtsein von Anfang an. Ein inklusives Verständnis meint demnach eine Gesellschaft, in der niemand integriert werden muss, weil niemand zuvor ausgeschlossen wurde. So unterscheiden sich beide Begriffe ganz klar voneinander.


Die wesentlichen Handlungsimpulse zu Inklusion und gleichberechtigter Teilhabe ergeben sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention. Deutschland hat 2009 dieser Konvention verbindlich zugestimmt und die Verpflichtung übernommen, die selbstbestimmte Lebensführung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen wie Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit zu gewährleisten. Inklusion ist somit ein Menschenrecht.

Eine inklusive Gesellschaft bedeutet vor diesem Hintergrund, Teilhabemöglichkeiten für alle in allen Lebensbereichen von Anfang an so zu planen und zu gestalten, dass jeder den gleichen Zugang hat und sich zugehörig fühlt. Inklusion fordert, Angebote offen zu gestalten, vorhandene Barrieren abzubauen und Arbeitsweisen zu entwickeln, die unterschiedliche individuelle Fähigkeiten einbeziehen. Dabei ist Beteiligung (Partizipation) ein wesentliches Merkmal und Ziel.


          

Um dies in die Praxis umsetzen zu können, ist es wichtig, dass sich alle verantwortlich fühlen und gemeinsam daran arbeiten diese Bedingungen zu schaffen. Inklusion ist ein Prozess, der immer weiter entwickelt werden muss und bei dem der Weg das Ziel ist.

In den konzeptionellen Überlegungen der Gemeinnützigen Werkstätten ist der Inklusionsgedanke als zentraler Baustein des Arbeitsverständnisses verankert. Dabei verstehen wir Inklusion vor allem als Haltung und als „Dabeisein und Beteiligtsein von Anfang an“.


Im Leitbild der Gemeinnützigen Werkstätten ist diese Haltung bereits konkret benannt und für die tägliche Arbeit als Rahmen vorgegeben. Bei der praktischen Umsetzung des Inklusionsgedankens wollten die Gemeinnützigen Werkstätten natürlich auch von Anfang an mitmachen und haben sich bereits vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, um den Inklusionsgedanken mit Leben zu füllen.


Im Rahmen des Jubiläumsjahres haben die Gemeinnützigen Werkstätten bereits 2010 eine Fachtagung zum Thema Inklusion durchgeführt. Die Tagung richtete sich an Beschäftigte, Bewohner und Mitarbeiter von Einrichtungen der Behindertenarbeit, Kommunalpolitiker, Angehörige und Interessenvertretungen. Das Thema der Fachtagung lautete „Was heißt hier eigentlich Inklusion?“, wobei die Betonung auf „hier“ lag. Es sollten konkrete Handlungsfelder und Möglichkeiten der Umsetzung des Inklusionsgedankens vor Ort, in der Einrichtung, im Stadtgebiet, aber auch bei jedem selbst, erarbeitet werden. Die Teilnehmer haben in mehreren Workshops Ideen und Anmerkungen zum Thema Inklusion gesammelt.


Das umfangreiche Leitbildprojekt haben die Gemeinnützigen Werkstätten 2009 in die Praxis umgesetzt. Dabei wurde über einen Zeitraum von zwölf Monaten intensiv in allen Bereichen der Einrichtung und mit allen Beteiligten (Bewohnern, Beschäftigten, Angehörigen und Mitarbeitern) ein gemeinsames Leitbild entwickelt. Die breite Beteiligung und die Formulierung der Leitsätze in Leichte Sprache und die Übertragung der Schrift in Symbole waren Voraussetzung für eine Leitbildformulierung, die von allen getragen und in Zukunft gelebt werden kann. Auch bei der Leitbildfindung haben alle Beteiligten den Inklusionsgedanken berücksichtigt.


Im Wohnbereich wurde im vergangen Jahr das Leitbild nochmals mit allen Bewohnern und Mitarbeitern diskutiert. Dabei stellten sich die Fragen: Werden die Leitbildsätze umgesetzt? Was fördert oder behindert die Entwicklung und was kann konkret unternommen werden? In den Diskussionen zeigte sich, dass bereits viele Aspekte umgesetzt und verwirklicht sind, aber auch noch viel Handlungsbedarf besteht, denn Inklusion ist ein Prozess. Wichtig waren wiederum die Beteiligung aller und die Auseinandersetzung mit dem Thema.



Seit einigen Jahren werden bei den Gemeinnützigen Werkstätten betriebliche Informationen innerhalb der Einrichtung durch Übertragung in Symbole auch Personen zugänglich gemacht, die nicht oder nicht sicher lesen können. Symbole, Piktogramme und Zeichnungen erleichtern die Orientierung, dienen der verständlichen Information und beseitigen Sprachbarrieren. Dieses Prinzip, Informationen durch Symbole sichtbar und verständlich zu machen, haben wir aufgenommen und erweitert.


Ein besonderes Projekt ist dabei das Café Kurswechsel. Zum einen ist es mittendrin, - zentral in Oldenburg gelegen und im VHS-Bildungshaus angesiedelt. Zum anderen zeichnet sich das Café dadurch aus, dass von den Bestellblöcken, über die Getränkekarte, bis hin zum Kassensystem, zusätzlich zur Schrift durchgängig Symbole verwendet werden. In Berufsfeldern der Gastronomie ist Lesen und Schreiben eine Grundvoraussetzung. Aber das Motto der Gemeinnützigen Werkstätten ist: „Geiht nich, gifft nich!“ Zentraler Begriff der Inklusion ist die Teilhabe in allen Lebensbereichen und so können die Gemeinnützigen Werkstätten für Menschen, die nicht sicher lesen und schreiben, Arbeitsplätze in der Gastronomie anbieten.



   

Die Gemeinnützigen Werkstätten werden auch in der Zukunft konkrete Projekte entwickeln, die den Inklusionsgedanken mit Leben füllen und sich und ihre Betriebsstätten weiter für alle aus dem Stadtteil bzw. der Gemeinde öffnen. Betriebsintegrierte Arbeitsplätze, Integrationsbetriebe, Verwendung von Leichter Sprache, Übertragung von Schrift in barrierefreie Information und Erweiterung der ambulanten Angebote sind nur einige der möglichen Felder. Unser Anliegen ist es, den Inklusionsgedanken in Oldenburg und umzu voranzubringen. Durch das Engagement in Stadtteilen, wie z.B. der Einrichtung eines offenen Kunsttreffs und der Beteiligung an Stadtteilkonferenzen, an Arbeitsgruppen innerhalb der Stadt und im Landkreis Oldenburg, sind wir dabei und machen mit.


Inklusion ist ein langer Weg, der nur in kleinen Schritten gegangen werden kann. Aber es ist der richtige Weg, den wir gern gemeinsam weitergehen.